USA: Das Wahlsystem im Überblick

Allgemeines zur Wahl

In den USA wird der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt, sondern in einer indirekten Wahl über sogenannte Wahlmänner. Aufgrund des speziellen Wahlsystems kann jede Stimme entscheidend sein: Im Jahr 2000 setzte sich George W. Bush gegen seinen Herausforderer Al Gore mit 537 Stimmen mehr im Bundesstaat Florida durch und konnte so die Wahl für sich gewinnen.

Historie der US-Wahlen

Die erste Wahl eines US-Präsidenten fand im Jahr 1788 statt. George Washington, nach dem die Hauptstadt der USA benannt ist, wurde damals zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Bereits in der ersten Form der amerikanischen Verfassung wurde das heutige Wahlsystem definiert. Durch verschiedene Erweiterungen (Amendments) wurde der Wahlablauf schrittweise konkretisiert und weitere Bevölkerungsgruppen zur Wahl zugelassen: Frauen dürfen seit dem Jahr 1920 wählen, Afro-Amerikaner uneingeschränkt erst seit dem Jahr 1965. Im Jahr 1971 wurde das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre gesenkt.

Sonderstatus der Hauptstadt Washington, D.C.

Washington, D.C. (District of Columbia) ist seit dem Jahr 1800 die offizielle Hauptstadt der USA. Trotz Namensgleichheit mit dem Bundesstaat Washington besitzt die Hauptstadt einen Sonderstatus, da sie direkt dem Kongress der Vereinigten Staaten unterstellt ist. Bei Präsidentschaftswahlen wird Washington, D.C. daher mit Bundesstaaten gleichgestellt und darf eigene Wahlmänner/Wahlfrauen entsenden.

Wer darf wählen?

Grundsätzlich sind alle US-Amerikaner ab dem 18. Geburtstag wahlberechtigt, die ihren Wohnsitz in einem der 50 Bundesstaaten oder der Hauptstadt Washington haben (ca. 220 Millionen Menschen). Bei Vorstrafen oder Inhaftierung in einem Gefängnis kann das Wahlrecht jedoch entzogen werden.

Wählen dürfen außerdem im Ausland lebende US-Bürger im Wahlkreis ihres letzten amerikanischen Wohnortes.

Da es in den USA keine Meldepflicht des Wohnortes gibt, müssen sich alle Wahlwilligen selber bis zu einem bestimmten Termin registrieren lassen ("Register to Vote"), der je nach Bundesstaat variiert. Der hohe Aufwand zur Teilnahme an der Wahl führt daher in der Regel zu einer niedrigen Wahlbeteiligung von etwas mehr als 50%.

Welche Parteien stellen eigene Präsidentschaftskandidaten?

Traditionell haben in den USA nur die beiden großen Parteien der Republikaner sowie der Demokraten realistische Chancen, den Präsidenten zu stellen. Auch kleinere Parteien wie die Libertarian Party oder die Green Party treten aber mit eigenen Kandidaten zur Wahl an. Aufgrund des Wahlsystems sind diese in der Regel chancenlos, können in einzelnen Bundesstaaten jedoch Einfluss auf die Wahlentscheidung nehmen: Jede Stimme, die den großen Parteien fehlt, kann einen Bundesstaat in eine andere Richtung “kippen” lassen.

Vorwahlen

Um den Präsidentschaftskandidaten zu bestimmen, halten die Parteien Vorwahlen mit eigenen Wahlkämpfen ab. Auf Basis der Ergebnisse der Vorwahlen entsenden alle Bundesstaaten sowie der Hauptstadtdistrikt schließlich Delegierte zu einem großen Parteitag - wer die Mehrheit der Delegierten auf seiner Seite hat, wird zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gewählt.

Die Vorwahlen selber unterscheiden sich erheblich: Während die Kandidaten in einigen Bundesstaaten parteiintern in mehreren aufeinanderfolgenden Ausscheidungsrunden (Caucuses) bestimmt werden, ist es in anderen Bundesstaaten sogar möglich, die Kandidaten der gegnerischen Partei in einer geheimen Wahl mitzubestimmen (Primaries).

Wahlmänner & das Electoral college

Am Wahltag bestimmt das Volk die Wahlmänner/Wahlfrauen ihres Bundesstaates. Jeder Bundesstaat sowie die Hauptstadt Washington besitzt eine festgelegte Anzahl an Wahlmännern bzw. Wahlfrauen, die an der Wahl des Präsidenten beteiligt sind. Gemäß dem Prinzip “The winner takes it all” gewinnt die Partei mit den meisten Stimmen alle Wahlmänner. Da die Anzahl an Delegierten pro Bundesstaat stark variiert (Kalifornien darf 55 Wahlmänner entsenden, verschiedene Bundesstaaten nur 3), sind diese unterschiedlich stark umkämpft.

Alle Wahlmänner und Wahlfrauen bilden schließlich das Wahlkollegium (Electoral college). Dieses wählt den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Swing states

Während des Wahlkampfes stehen insbesondere die Bundesstaaten mit vielen Wahlmännern/Wahlfrauen im Fokus. Einige Staaten gelten als "Safe states" und sind traditionell fest in der Hand der Demokraten (z.B. Kalifornien, New York) oder der Republikaner (z.B. Alabama, Kentucky). Bundesstaaten, in denen der Ausgang unklar ist, sind besonders stark umkämpft und werden als "Swing States", oft auch als "Battleground States" oder "Toss-up-states", bezeichnet. Insbesondere Texas (38 Wahlmänner) und Florida (29 Wahlmänner) haben entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis.