Aktuelle Regierung ohne parlamentarische Mehrheit
Im aktuellen Wahltrend erreichen die Regierungsparteien in Türkei 40,5% der Sitze.
Um Parteien vergleichbar zu machen, zeigen wir mit den Symbolen die politische Ausrichtung einer Partei an. Die Kategorien dienen zur groben Einordnung für einen schnellen Überblick. Genauere Informationen zu den politischen Standpunkten findest du auf den Unterseiten der Parteien.
Die türkische Justiz verschärft den Druck auf Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, einen prominenten Rivalen Präsident Erdoğans. Nach anhaltenden juristischen Schritten ordneten Gerichte Untersuchungshaft gegen ihn an, während das Innenministerium ihn von seinem Amt suspendierte. Dies reiht sich ein in eine Serie von Verhaftungen und Anklagen gegen oppositionelle Politiker, die auf eine Schwächung der Republikanischen Volkspartei (CHP) abzielen, insbesondere nach deren Erfolgen bei Kommunalwahlen. Kritiker sehen darin einen Versuch, demokratische Prozesse zu behindern und politische Gegner mundtot zu machen.
Die türkische Zentralbank hat ihr Inflationsziel für Ende 2026 drastisch von 16% auf 24% angehoben. Gouverneur Fatih Karahan begründete dies mit anhaltenden inflationären Auswirkungen und regionalen Spannungen. Die hohe Inflation belastet die türkischen Haushalte massiv und führt zu sinkenden Geburtenraten, da Familien die steigenden Kosten für Lebenshaltung, Wohnraum und Bildung kaum noch tragen können. Dies verdeutlicht die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes, die das Vertrauen in die Zukunft schmälern.
Die Türkei positioniert sich zunehmend als sicherheitspolitischer Partner, insbesondere im Kontext des bevorstehenden NATO-Gipfels in Ankara und des strategischen Dialogs mit Deutschland. Ankara plant zudem einen Test für eine Interkontinentalrakete (ICBM), die Europa und den Nahen Osten erreichen könnte, was die militärische Reichweite des Landes erheblich erweitern würde. Diese Entwicklungen unterstreichen die Ambition der Türkei, ihre geopolitische Rolle als Schnittstelle zwischen Eurasien, dem Balkan und dem arabischen Raum zu stärken.
Eine Bosch-Werbung zum Muttertag, die Tierbesitzer als „Mütter“ darstellt, entfachte in der Türkei eine hitzige Debatte über traditionelle Familienbilder. Präsident Erdoğan rief die Jahre 2026 bis 2035 zur „Dekade der Familie und Bevölkerung“ aus, um traditionelle Werte zu stärken und der sinkenden Geburtenrate entgegenzuwirken. Er kritisierte zudem scharf die „LGBT-Ideologie“ und warnte vor gesellschaftlichem Zerfall durch Individualismus. Diese Debatten offenbaren tiefgreifende Spannungen zwischen konservativen und modernen Weltanschauungen in der türkischen Gesellschaft.
Das türkische Parlament hat einem umstrittenen Social-Media-Gesetz zugestimmt, das die Kontrolle über Online-Inhalte weiter verschärft. Dies folgt auf eine bereits restriktive Medienlandschaft, in der die meisten Nachrichtensender regierungsnah sind und oppositionelle Medien mit Geldstrafen oder Sendepausen belegt werden. Die Türkei rangiert im Welt-Pressefreiheitsindex auf einem niedrigen Platz, und Journalist*innen sowie Social-Media-Nutzer*innen werden häufig strafrechtlich verfolgt. Kritiker befürchten eine weitere Einschränkung der Meinungsfreiheit und des Zugangs zu unabhängigen Informationen.
Im aktuellen Wahltrend erreichen die Regierungsparteien in Türkei 40,5% der Sitze.
+1,1 Zuwachs in den letzten 30 Tagen
-0,9 Verlust in den letzten 30 Tagen
Die nächste Parlamentswahl in der Türkei findet voraussichtlich im Jahr 2028 statt.
Spitzenreiter im aktuellen PolitPro Wahltrend zur Wahl in Türkei ist AKP mit 32,1%. Dahinter folgen CHP mit 31,6%, DEM mit 8,8%, MHP mit 7%, İYİ mit 5,5%, Anahtar Parti mit 4,7%, Zafer Partisi mit 3,4%, Yeniden Refah Partisi mit 3% und TİP mit 1,1%. Sonstige Parteien erreichen 2,8% der Stimmen.
Die amtierende Koalition in Türkei kommt derzeit nur auf 40,5% der Mandate und würde damit ihre Regierungsmehrheit verlieren. Dies signalisiert eine deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse: Ein Bündnis aus AKP könnte die Regierungsarbeit nach aktuellem Stand nicht fortsetzen.
Der PolitPro Wahltrend ist mehr als eine bloße Momentaufnahme. Wir aggregieren die Daten aller relevanten Umfrageinstitute zu einem gewichteten Mittelwert für die Parlamentswahl in der Türkei. Da die klassische Sonntagsfrage („Wen würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Wahl wäre?“) methodisch bedingt schwankt, bietet unser Wahltrend eine statistisch belastbare Datenbasis. Er glättet kurzfristige Ausreißer und macht die reale politische Dynamik im Zeitverlauf sichtbar.
Durch die Kombination mehrerer Datenquellen minimieren wir das Risiko von Zufallseffekten. Jede Erhebung unterliegt einer statistischen Fehlertoleranz (meist zwischen 1,5 % und 3 %). Unser Umfragen-Check für die Türkei zeigt präzise auf, ob der Zuwachs einer Partei eine nachhaltige Entwicklung darstellt oder lediglich im Bereich der statistischen Unschärfe eines einzelnen Instituts liegt.
Die Berechnung folgt einem transparenten mathematischen Modell: Aktuelle Umfragen erhalten eine höhere Gewichtung als ältere Daten. Zudem fließt die historische Prognosegüte der Institute in die Kalkulation ein, um methodische Verzerrungen auszugleichen. Das Ergebnis ist eine valide Trendlinie, die die türkische Parteienlandschaft präzise abbildet.
Die Sperrklausel für die Parlamentswahl in der Türkei liegt bei 7%.
Wahlumfragen sind keine Vorhersagen, sondern Momentaufnahmen mit statistischen Schwankungen. Um ein realistisches Bild zu erhalten, simulieren wir täglich 100.000 Wahlausgänge auf Basis des PolitPro Wahltrends im „Monte-Carlo-Verfahren“. Dabei berechnen wir typische Wählerwanderungen und politische Trends mit ein. Unser Algorithmus testet verschiedenste Szenarien – von kleinen Verschiebungen im Lager bis hin zu politischen Überraschungen – um die tatsächlichen Erfolgschancen der Parteien und Koalitionen zu ermitteln.
Basierend auf dem Wahltrend würden 4 Parteien in die Große Nationalversammlung der Türkei einziehen: AKP mit 243 Abgeordneten, CHP mit 239 Abgeordneten, DEM mit 66 Abgeordneten und MHP mit 52 Abgeordneten.
Die Große Nationalversammlung der Türkei (TBMM] besteht aus 600 Abgeordneten, die für eine fünfjährige Amtszeit gewählt werden. Die Wahl erfolgt nach dem Verhältniswahlrecht in 87 Wahlkreisen. Seit der Verfassungsreform 2017 ist die Türkei ein Präsidialsystem, in dem der Präsident direkt vom Volk gewählt wird und gleichzeitig Staats- und Regierungschef ist. Das Parlament hat seine Rolle als Gesetzgeber behalten, ist aber nicht mehr direkt an der Regierungsbildung beteiligt, da der Präsident sein Kabinett unabhängig von einer parlamentarischen Vertrauensabstimmung ernennt. Eine Besonderheit ist das System der Wahlbündnisse, das es kleineren Parteien ermöglicht, gemeinsam die Sperrklausel zu überwinden.
In der Türkei gilt für den Einzug in das Parlament eine landesweite Sperrklausel von 7%. Diese wurde 2022 von zuvor 10% (einer der weltweit höchsten Hürden] gesenkt. Eine entscheidende Neuerung ist die Regelung für Wahlbündnisse: Wenn ein Bündnis (z. B. die „Volksallianz“ oder die „Allianz der Nation“] die 7%-Hürde gemeinsam überspringt, gelten alle darin enthaltenen Parteien als über der Hürde. Die tatsächliche Verteilung der Sitze erfolgt dann jedoch proportional zu den innerhalb des Bündnisses für die einzelnen Parteien abgegebenen Stimmen nach dem D’Hondt-Verfahren.
Da die Türkei ein Präsidialsystem ist, gibt es im klassischen Sinne keine Koalitionsregierungen mehr, die vom Parlament bestätigt werden müssen. Die Exekutivgewalt liegt allein beim Präsidenten. Dennoch spielen Allianzen (Ittifak] im Parlament eine zentrale Rolle. Der Präsident benötigt für die Verabschiedung von Gesetzen und des Haushalts eine Mehrheit in der Nationalversammlung. Daher bilden Parteien oft vor der Wahl feste Blöcke, um eine parlamentarische Mehrheit zu sichern, die die Politik des Präsidenten unterstützt oder kontrolliert.
Im PolitPro Score für Institute bewerten wir die Zuverlässigkeit von Umfrageinstituten basierend auf ihrer Genauigkeit bei Wahlen sowie der Abweichung vom Wahltrend. Starke Abweichungen der Werte von Parteien im Vergleich zum Wahltrend sorgen für Abzüge, da sie auf Bevorzugungen oder Benachteiligungen von Parteien hinweisen können. Der Score hat einen Maximalwert von 100.
Es werden Wahlen abgehalten, die aber nur eingeschränkt frei und fair sind und der Regierung Macht sichern sollen.
Die Türkei erreicht im PolitPro Demokratie Score 19 von 100 Punkten.
In den letzten 10 Jahren hat sich der Demokratie Score stark verschlechtert.
Der PolitPro Demokratie Score bewertet verschiedene Aspekte der Demokratie auf Basis wissenschaftlicher Daten des Projekts Varieties of Democracy (V-Dem). Das internationale Forschungsprojekt wird federführend von der Universität Göteborg (Schweden) und der University of Notre Dame (USA) geleitet. Mehr als 3.500 Expertinnen und Experten bewerten dabei die demokratische Qualität ihrer Länder nach standardisierten Kriterien. PolitPro kombiniert und erweitert diese Daten, um sie verständlich und vergleichbar darzustellen. Der Score reicht von 0 bis 100 Punkten.
Der Präsident ist Staats- und Regierungschef und führt die Regierung selbst.
Die Wahl wird in nur einer Runde entschieden.
Nach der Wahl tritt die Nationalversammlung zur Vereidigung der Abgeordneten zusammen. Das älteste Mitglied des Parlaments übernimmt traditionell kommissarisch das Amt des Parlamentspräsidenten, bis ein neuer Sprecher gewählt wird. Da die Regierung (das Kabinett] direkt vom Präsidenten ernannt wird, entfällt die früher übliche Phase der Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung. Stattdessen beginnt das Parlament sofort mit der Konstituierung der Ausschüsse. Eine wichtige Aufgabe nach der Wahl ist die Abstimmung über den Staatshaushalt, der vom Präsidenten vorgelegt wird.
Wahlberechtigt sind alle türkischen Staatsbürger ab 18 Jahren. Die Türkei ist bekannt für eine extrem hohe Wahlbeteiligung, die oft über 85% liegt und das hohe politische Engagement der Bevölkerung widerspiegelt. Ein massiver Faktor bei türkischen Wahlen ist die Diaspora: Millionen von Türken im Ausland (besonders in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden] sind wahlberechtigt und können in Konsulaten oder an Grenzübergängen abstimmen. Die Wählerschaft ist oft entlang ideologischer, religiöser und regionaler Linien gespalten, wobei die Metropolen wie Istanbul und Ankara oft andere Trends setzen als das ländliche Anatolien.
Militärisches Verteidigungsbündnis zwischen Europa und Nordamerika
Forum der größten Industrie- und Schwellenländer zur Weltwirtschaft.
Organisation für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte in Europa.
Verband reicherer Länder zur Zusammenarbeit in Wirtschaft und Entwicklung.
Die nächste Parlamentswahl in der Türkei findet voraussichtlich im Jahr 2028 statt. Bis dahin dienen aktuelle Wahlumfragen als wichtigstes Barometer für die politische Stimmung in Türkei.
Forschungsdaten der Uni Göteborg zum Thema Demokratie. Unabhängige Politikexperten aus aller Welt bewerten politische Systeme nach wissenschaftlichen Kriterien.V-Dem – Varieties of Democracy
Coppedge, Michael, John Gerring, Carl Henrik Knutsen, Staffan I. Lindberg, Jan Teorell, David Altman, Fabio Angiolillo, Michael Bernhard, Agnes Cornell, M. Steven Fish, Linnea Fox, Lisa Gastaldi, Haakon Gjerløw, Adam Glynn, Ana Good God, Allen Hicken, Katrin Kinzelbach, Kyle L. Marquardt, Kelly McMann, Valeriya Mechkova, Anja Neundorf, Pamela Paxton, Daniel Pemstein, Josefine Pernes, Johannes von Römer, Brigitte Seim, Rachel Sigman, Svend-Erik Skaaning, Jeffrey Staton, Aksel Sundström, Marcus Tannenberg, Eitan Tzelgov, Yi-ting Wang, Tore Wig, and Daniel Ziblatt. 2026. "V-Dem Codebook v16" Varieties of Democracy (V-Dem) Project.
Forschungsprojekt der Uni Göteborg. Internationale Politikwissenschaftler bewerten die politischen Grundhaltungen von Parteien weltweit auf Basis einheitlicher Kriterien.V-Party – Parties of the World Dataset
Staffan I. Lindberg, Nils D¨upont, Masaaki Higashijima, Yaman Berker Kavasoglu, Kyle L. Marquardt, Michael Bernhard, Holger D¨oring, Allen Hicken, Melis Laebens, Juraj Medzihorsky, Anja Neundorf, Ora John Reuter, Saskia Ruth–Lovell, Keith R. Weghorst, Nina Wiesehomeier, Joseph Wright, Nazifa Alizada, Paul Bederke, Lisa Gastaldi, Sandra Grahn, Garry Hindle, Nina Ilchenko, Johannes von Römer, Steven Wilson, Daniel Pemstein, Brigitte Seim. 2022. Varieties of Party Identity and Organization (V–Party) Dataset V2. Varieties of Democracy (V–Dem) Project.
Langjährige Forschungsdaten der Uni Bremen. Dokumentiert Parteien und Regierungen für politische Vergleiche.ParlGov – Parliamentary Democracy Data
Döring, Holger and Philip Manow. 2024. Parliaments and governments database (ParlGov): Information on parties, elections and cabinets in established democracies.
Europas wichtigste Expertenbefragung zu Parteipositionen. Mehr als 400 Politikwissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern dokumentieren Parteienpositionen auf Basis wissenschaftlicher Kriterien.CHES – Chapel Hill Expert Survey
Rovny, Jan, Ryan Bakker, Liesbet Hooghe, Seth Jolly, Gary Marks, Jonathan Polk, Marco Steenbergen, and Milada Vachudova. “25 Years of Political Party Positions in Europe: The Chapel Hill Expert Survey, 1999-2024,”